Mecklenburg-Vorpommern rechnet sich zum Klimaretter
Mecklenburg-Vorpommern rechnet sich zum Klimaretter
BUND, WWF und Die Klima-Allianz entzaubern Energiekonzept der
Landesregierung / Steinkohlekraftwerk erhöht mittelfristig die
Strompreise und gefährdet die Klimaziele
Eine gemeinsame Studie von BUND, WWF und Die Klima-Allianz hat
grundlegende Mängel an den energiepolitischen Leitlinien des
Landeskonzeptes "Energieland 2020" festgestellt. Die heute in Schwerin
vorgestellte Studie stellt fest, dass das Landeskonzept grundlegend an
den Bedürfnissen einer modernen Klimapolitik vorbeigeht. Vor allem der
Bau des Kohlekraftwerks Lubmin ist ökonomisch und ökologisch unsinnig.
Verfasst wurde die Studie vom arrhenius Institut für Energie- und
Klimapolitik mit Sitz in Hamburg. Das renommierte Institut ist als
unabhängiger wissenschaftlicher Berater in Fragen der Klima- und
Energiepolitik für die Bundesregierung, aber auch für Unternehmen der
Energiewirtschaft tätig.
"Die Annahme, Mecklenburg-Vorpommern könne einen Beitrag zum Klimaschutz
leisten und gleichzeitig eines der größten Steinkohlekraftwerke der
Bundesrepublik betreiben ist nicht zu halten", so der Verfasser der
Studie, Dr. Sven Bode bei der Vorstellung in Schwerin. "Insbesondere der
Ansatz der Landesregierung, in ihrer Landesstrategie "Energieland 2020"
für die Emissionsermittlung die sogenannte Verursacherbilanz zu
verwenden, führt in die Irre", so Bode..Dieser Ansatz erlaube lediglich
eine CO2-Senkung auf dem Papier. Faktisch steigen mit einem neuen
Kohlekraftwerk in Lubmin die Emissionen in Mecklenburg-Vorpommern massiv
an. "Und auch ein Export von Strom und damit ein vermeintlicher Export
von CO2-Emissionen entlaste die Klimabilanz Mecklenburg-Vorpommerns
nicht. Der Standort Lubmin ist energiepolitisch und volkswirtschaftlich
nicht sinnvoll", erläutert Bode weiter. "Der Bau eines Kohlekraftwerks
in Lubmin wird nicht zum Sinken der Strompreise führen, wie die
Landesregierung behauptet. Ganz im Gegenteil: Der Bau des
Steinkohlekraftwerkes wird das Risiko steigender Strompreise sogar
erhöhen", betont Bode. (Hier die Studie als pdf-file)
Für Arndt Müller, Sprecher des BUND Mecklenburg-Vorpommern liegen die
Alternativen für den Kraftwerksbau auf der Hand. "Statt stärker auf
Zukunftstechnologien wie den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu setzen,
klebt die Landesregierung an der Steinzeittechnologie 'Kohle'. Andere
Bundesländer mit teilweise schlechteren Bedingungen zeigen einen enormen
Ehrgeiz und setzen sich deutlich ambitioniertere Ausbauziele als das
Wind- und Sonnenland Mecklenburg-Vorpommern", stellt Müller fest. Ein
einfacher Vergleich mit den Ausbauzielen für die Stromerzeugung aus
erneuerbaren Energien in anderen Bundesländern zeige, so Müller, dass
die mit 'Energieland 2020' gesetzten Ziele noch deutlich erhöht werden
können. So wollen bis 2020 beispielsweise Brandenburg das vierfache und
Sachsen-Anhalt gut das doppelte der Windkraftleistung installieren, die
sich Mecklenburg-Vorpommern für Onshore-Anlagen vorgenommen hat. Selbst
bei der Solarenergie will ein Bundesland wie Sachsen-Anhalt dem
sonnenreichen Mecklenburg-Vorpommern weit voraus eilen. Bis zum Jahr
2020 sollen dort Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 143 Megawatt
installiert sein, während in Mecklenburg nur 28 Megawatt vorgesehen sind.
"Mit dem Bau eines Kohlekraftwerks in Lubmin gefährdet die
Landesregierung zudem die langfristigen, deutschen Klimaziele und
betreibt damit eine unverantwortliche Energiepolitik", sagt Brick Medak,
Klimaexperte vom WWF Deutschland. Unser klimapolitischer Spielraum ist
sowieso schon sehr eingeengt. Der Bau eines jeden neuen Kohlekraftwerks
führt uns nur weiter in die klimapolitische Sackgasse", so Medak. In
ganz Deutschland gibt es deshalb einen immer stärkeren Widerstand gegen
Kohlekraftwerke. Auch die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sollten
sich von der Landesregierung nicht an der Nase herumführen lassen.
Für Rückfragen:
Dr. Sven Bode, Arrhenius-Institut für Energie- und Klimapolitik,
Tel. 040-4126 8215
Arndt Müller, BUND, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.,
Tel. 0160-96470127
Brick Medak, WWF Deutschland/ Die Klima-Allianz, Tel. 0162-2914488






