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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 11. September 2008 | Politik l 204 Wörter
Kritik am Kohlekraftwerk Lubmin  - Sisyphos-Arbeit 

Sisyphos, Held der griechischen Mythologie, war in der Unterwelt dazu verdammt, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Immer kurz bevor er das Ende des Hangs erreichte, entglitt ihm der Stein, und er musste wieder von vorn anfangen.

In etwa so müssen sich die Gegner des geplanten Steinkohlekraftwerks Lubmin fühlen. Fleißig sammeln sie Unterschriften und Argumente gegen die Zwei-Milliarden-Euro-Investition, die ihnen in Zeiten von Klima-Katastrophen und explodierenden Preisen für fossile Brennstoffe als völlig unsinnig erscheint. Jedes mal aber, wenn ihren Bemühungen Erfolg beschieden sein müsste, lassen zwei Worte ihre Anstrengungen wie Seifenblasen zerplatzen – und sie müssen wieder von vorn anfangen. Die Worte heißen: rechtsstaatliches Genehmigungsverfahren.

Ein Totschlagargument, mit dem die Befürworter des Kraftwerks wie Gralshüter die umstrittene Industrieansiedlung am Greifswalder Bodden verteidigen. Der Investor habe ein Recht auf dieses Verfahren. Ein ordnungsgemäßes obendrein. Punkt. Die Gegner des Kohlemeilers werden damit ins Reich der Unrechtmäßigen verbannt.

Doch ist es rechtsstaatlich und ordnungsgemäß, wenn Gutachten frisiert, Bauanträge von Ministerien zugearbeitet und Proteste behindert werden? Es lohnt sich, den Felsblock weiter zu wälzen. Eines Tages wird er oben am Ende des Hangs sein.

Link zum Bericht von Seite 5 - Gegner rügen Behörden
JÖRG KÖPKE 


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