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Öffentliches Interesse für ein Kohlekraftwerk?
Neue Umfrage-Ergebnisse
Zum öffentlichen Interesse wurde während der Anhörungen im Schawi Greifswald viel gesagt. Fazit war: „Es ist das falsche Kraftwerk am falschen Ort“!
Die neueste Infratest-dimap-Umfrage, die der NDR am 15.05.2009 veröffentlichte, ergab ein klares NEIN zum DONG-Kraftwerk in Lubmin. Das Merkwürdige daran ist, dass bis zum 16. Mai die „führende Presse“ im Land keine Notiz davon nahm.

Auch in der Anhängerschaft der jeweiligen demokratischen Partei gibt es weniger Befürworter als Gegner. Befragt wurden 1000 Bürger aus ganz Mecklenburg-Vorpommern.
Für Herrn Seidel sollte das Anlass sein, das wirkliche öffentliche Interesse zur Kenntnis zu nehmen (und das sog. "Fuchs-Papier" zurück zu ziehen). Wenn im Genehmigungsverfahren Rechtsstaatlichkeit einziehen soll, dann können solche Umfrageergebnisse nicht unberücksichtigt bleiben. Zudem die gleiche Umfrage ergab, dass die Mehrheit der Bevölkerung mit seiner Arbeit nicht zufrieden ist. Die Mehrheit in der Anhängerschaft seiner Partei ist ihm weggebrochen. Der beste Anlass für ihn zum Rücktritt.
DONG sollte nun endlich zu der Einsicht gelangen, dass es sich bei der Gegnerschaft nicht nur um lokale Gruppierungen handelt, sondern das Kohlekraftwerk landesweit auf Widerstand stößt. Allerhöchste Zeit für DONG, den Antrag auf Genehmigung zurückzuziehen.
Kohlefrachter gegen die Werftenkrise?
Dong Energy plant acht Schiffsneubauten. Der Haken: Das Land muss das Kohlekraftwerk Lubmin schnell genehmigen.
Lubmin (OZ) Der dänische Energiekonzern Dong Energy legt der Schweriner Landesregierung mitten in der Werftenkrise einen verlockenden Köder aus: Wird das umstrittene Steinkohlekraftwerk in Lubmin zeitnah genehmigt, lässt das Unternehmen acht neue Kohlefrachter bauen.
Dong-Projektleiter Peter Gedbjerg sagte: „Wenn es das Kraftwerk nicht gibt, brauchen wir die Schiffe nicht.“ Den vom Land mit millionenschweren Bürgschaften gestützten Werften ginge ein möglicher Auftrag verloren. Fünf sogenannte Leichter und drei Schubschiffe müssten „rechtzeitig vor Inbetriebnahme fertiggestellt werden“, so Gedbjerg. Laut Unternehmerverband Vorpommern beläuft sich das Auftragsvolumen auf mehr als 200 Millionen Euro. Verbandspräsident Gerold Jürgens sprach mit Blick auf das 2,3 Milliarden Euro teure Kraftwerk von einem „Schnapsglas obendrauf“.
Laut Gedbjerg läuft die Auftragsausschreibung weltweit. Es hätten sich auch „mehrere Werften aus Mecklenburg-Vorpommern“ beworben. Die Rede ist von der Bremer Hegemann-Gruppe mit ihren Betrieben in Wolgast und Stralsund. Die in russischem Besitz befindlichen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde sind dagegen nach eigenen Angaben aus dem Rennen. „An uns wurde die Ausschreibung nicht herangetragen“, sagte Wadan-Sprecher Matthias Trott.
Die acht geplanten Frachter, die über einen besonders niedrigen Tiefgang verfügen, sollen Steinkohle von zwei Umschlaghäfen in Dänemark nach Lubmin fahren. Ein Schiff kann bis zu 15 000 Tonnen transportieren. Wenn das Kraftwerk unter Volldampf stehe, reiche die Fracht für eineinviertel Tage, sagte Gedbjerg.
Derweil übt Dong weiter Druck auf das Genehmigungsverfahren aus. Gedbjerg betonte, die Geduld sei „nicht unendlich“. Dong verfüge „nur über eine gewisse Menge Geld für Investitionen, und es tauchen täglich neue Möglichkeiten auf“. Nach Einreichung der überarbeiteten Projektunterlagen rechne Dong damit, dass die Behörden noch im Mai die Vollständigkeit der Papiere bestätigen werden. Otto Ebnet (SPD), Ex-Wirtschaftsminister und Dong-Lobbyist, erklärte, das Land habe in der Wirtschaftskrise nicht viel Zeit. Das Projekt stehe bei Dong jeden Tag auf dem Prüfstand.
Kritik hagelte es von der Linkspartei und den Grünen. Umweltexperte Wolfgang Griese von der Linken sagte, Dong scheue offenbar weder Kosten noch Mühen, den Behörden den Kraftwerksbau schmackhaft zu machen. Das ändere jedoch nichts an den ökologischen Mängeln des Meilers. Grünen-Landeschef Jürgen Suhr sprach von Täuschungsmanövern. Dong spiele den Retter der Werften. In Wahrheit stehe die Genehmigung des Kraftwerks auf der Kippe.
BENJAMIN FISCHER und JÖRG KÖPKE
Dong plant den Bau einer Kohleschiff-Flotte
Lubmin (OZ) Der dänische Investor Dong Energy will für das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin eine Flotte von Kohlefrachtern bauen lassen. Sobald eine Genehmigung für den Kohlemeiler vorliege, werde der Auftrag ausgelöst, sagte Projektleiter Peter Gedbjerg gestern in Lubmin. Auf die Ausschreibung von fünfsogenannten Leichtern und drei Schubschiffen hätten sich auch Werften aus MV beworben. Das Auftragsvolumen beläuft sich nach Angaben des Unternehmerverbandes Vorpommern auf über 200 Millionen Euro.
Kritik kommt von Grünen und Linkspartei. Grünen-Landeschef Jürgen Suhr warf Dong ein Täuschungsmanöver vor. Wolfgang Griese, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag, sagte, dem Investor sei jedes Mittel recht, den Behörden die Genehmigung des Kraftwerks schmackhaft zu machen.
Energieland 2020
Gesamtstrategie „Energieland 2020“ für Mecklenburg-Vorpommern
Die lange Zeit zwischen SPD und CDU kontrovers diskutierte und umstrittene Energiekonzeption des Landes M-V ist nun endlich als Drucksache verfügbar. Ein Vergleich mit dem BI-Konzept KREDO ist zu empfehlen.
Paradigmenwechsel in der Elektroenergieversorgung
Überarbeitetes Energiekonzept KREDO der BI für die Ostseeküste
Infolge zunehmender Windenergienutzung an den Küsten und auf See (offshor) entkoppeln sich Erzeugerzentren und Verbraucherschwerpunkte. Verstärkt wird dies noch in Vorpommern durch einen neu zu errichtenden fossilen Kraftwerkspark in Lubmin.
Die räumliche Entkopplung führt zu einem Paradigmenwechsel in der Elektroenergieversorgung. Dies wird an den Küsten am deutlichsten sichtbar, da der Strom nur nach einer Seite - wo kaum traditionelle Verbraucherschwerpunkte sind - abfließen kann.
Das erfordert einen Umdenkungsprozess. Die volatile (wetterabhängige), d. h. schwankende Stromerzeugung bedarf - neben ihrer Ableitung - eines ausreichenden regelfähigen Backups. Eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung dieser erneuerbaren Energieressourcen ist deshalb nur im “Dreierpack“ mit konsequentem Netzausbau und regelfähigen Kraftwerks- und Speicherkapazitäten möglich.
Dass dies bisher in unzureichendem Maße erkannt und verarbeitet ist, beweist der derzeitige Status der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Hier besteht akuter politischer Handlungsbedarf.
Die privaten Energieversorgungsunternehmen (EVU) und der Markt richten es nicht. Die Windenergienutzung wurde gesetzlich aufoktroyiert. Das kollidiert aber wiederum mit den bisher genehmigten und im Bau befindlichen regelresistenten Großkraftwerken, die aus anderen gesetzlichen Vorschriften resultieren.
Dadurch bleiben Nachhaltigkeit, mehr Wettbewerb, weniger Importabhängigkeit, künftig bezahlbare Strompreise und CO2-Reduktion - bisher gefördert durch Steuermillionen - auf der Strecke.
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